In unserer Welt, die zunehmend brüchig, angstauslösend, nicht-linear und unbegreiflich wirkt, steht jeder Mitmensch vor derselben Herausforderung: Wie bewahre ich Handlungsfähigkeit unter hohem Informationsdruck? Jeder trifft; insbesondere Führungskräfte treffen in Ungewissheit, unter Zeitdruck und bei möglicher Lebensgefahr Entscheidungen.
Der Führungsvorgang
Der deutsche Führungsprozess ist weltweit einzigartig und unterscheidet sich von den anglo-amerikanischen Modellen (wie dem MDMP der US Army). Seine Wurzeln liegen in den Preußischen Heeresreformen (1807–1814) nach der Niederlage gegen Napoleon. Scharnhorst, Gneisenau und Clausewitz erkannten damals, dass starre Befehlsstrukturen eher versagen.
Der Führungsvorgang (auch “Regelkreis der Taktik”) ist ein standardisiertes Denkmodell zur Bewältigung komplexer Einsatzlagen. Er dient der Reduktion von Chaos durch strukturierte Abarbeitung und sichert Handlungsfähigkeit unter Zeitdruck.
Das Trichter-Prinzip
Der Prozess ist als Filter (nach Eingabe–Verarbeitung–Ausgabe) aufgesetzt.
- Input: Maximale Informationsdichte und Unordnung (“Chaosphase”)
- Verarbeitung: Systematische Analyse und Abwägung.
- Output: Ein einziger, folgerichtiger Entschluss.
Eine effektive Führungskraft nutzt diesen Trichter, um Impulse zu kontrollieren. Schlechte Führung ersetzt den Trichter durch ein “Sieb”. Informationen werden zwar reduziert, ohne zu einem Ergebnis zu führen.
Eine “gute” Führungskraft löst jedes Problem so, als würde sie es zum allerersten Mal sehen.
Der Zyklus
Der Vorgang ist iterativ. Mit der Kontrolle und neuen Informationen beginnt der Kreislauf von vorn.
flowchart TD A["Auftrag / Lage"] --> B("Lagefeststellung") B --> C{"Planung / Beurteilung"} C -- "Abwägen" --> D["Entschluss"] D --> E("Befehlsgebung") E --> F["Maßnahmen / Durchführung"] F --> G("Kontrolle") G -- "Lageänderung?" --> B %% click B href "100_Lagefeststellung" "Zur Notiz"
- Lagefeststellung beschreibt Informationsgewinnung durch Erkundung und Auftragsauswertung.
- Planung und Beurteilung bedeutet Risiken zu analysieren, Möglichkeiten abzuwägen, einen folgerichtigen Entschluss zu fassen.
- Befehlsgebung ist die Umsetzung des Willens in Anweisungen.
- Kontrolle ist ein ständiger Soll-Ist-Vergleich. Sie führt direkt zu neuer Lagefeststellung.
Anwendungsbereiche
- In Behörden (BOS) ist er Standard gemäß DV 100 für Feuerwehr, THW, Sanitätsdienst
- In der Wirtschaft/IT als Analogie zum OODA-Loop (Observe-Orient-Decide-Act) oder PDCA-Zyklus
- Kann privat und zivilgesellschaftlich auch von Vorteil sein ;)
Siehe auch: 304 Lagedarstellung zur Visualisierung des Prozesses.